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Wenn ein Virus das Herz angreift – KIKAM hilft

Ein 14-jähriger Junge wird mit Bauchschmerzen eingeliefert – doch die Diagnose ist überraschend. Warum die Ärzte der Kinderintensivstation Mainz immer in alle Richtungen denken müssen.

​OPPENHEIM/MAINZ – Noah darf das Bett nicht verlassen. Normalerweise ist so eine ärztlich verordnete Zwangspause ganz schön schwer auszuhalten für einen lebhaften, sportlichen 14-Jährigen, der dreimal die Woche Fußball spielt. Normalerweise. Jetzt ist Noah froh, dass er sich kaum bewegen muss – zu groß sind die Schmerzen, immer noch.

Dabei sind sie nichts im Vergleich zu denen, die Noah noch vor ein paar Tagen aushalten musste. „Ich konnte nur noch weinen“, erzählt er. Der Bauch, die Schulter, eigentlich alles tat ihm höllisch weh. Dass die Ärzte des kleinen Krankenhauses, in das die Mutter ihn gebracht hatte, ratlos waren, machte die Sache nicht besser. „Lange hieß es, ich hätte einen Magen-Darm-Infekt“, erzählt Noah. Als alle Medikamente inklusive der Schmerzmittel nichts bewirkten, erwogen die Ärzte eine OP. „Sie sagten, sie würden jetzt wohl meinen Bauch aufschneiden, um zu schauen, was da los ist.“
Noah wäre nicht der erste Patient mit dieser Symptomatik gewesen, dem Chirurgen einen Bauchschnitt verpasst hätten, sagt Prof. Dr. Stefan Gehring, Ärztlicher Leiter der Mainzer Kinderintensivstation. Hier landete Noah nämlich schließlich. Denn er hatte Glück: Statt zu operieren, überwiesen die Ärzte ihren jungen Patienten dann doch lieber zur weiteren Abklärung in die Klinik in Mainz.
Als sich Oberärztin Dr. Claudia Martin den Jungen, der sich vor Schmerzen krümmte, näher ansah, kam ihr schnell ein Verdacht: Womöglich hatten seine Beschwerden gar nichts mit dem Bauch zu tun – sondern mit dem Herzen! „Wir machen ein Ultraschall“, kündigte sie dem jungen Patienten an, der eher abwehrend reagierte. „Nicht noch einen!“ Doch Dr. Martin war sicher – sie befand sich auf der richtigen Spur.
Nach EKG und Herzultraschall – dank mobiler Diagnosegeräte wurde Noah in seinem Krankenhausbett untersucht und musste nicht bewegt werden – stand fest: Der 14-jährige, zuvor kerngesunde Junge hat eine Herzmuskelentzündung. Sein erster Gedanke, als er hörte, dass sein Herz angegriffen war? „Ich konnte eigentlich gar nichts denken, wollte nur, dass die Schmerzen aufhören“, erzählt Noah. „Aber meine Mutter war total erschrocken und dachte, das war’s jetzt mit mir.“ Dr. Martin konnte Noahs Eltern jedoch schnell beruhigen: Eine Herzmuskelentzündung, einmal erkannt, ist gut behandelbar.
Noah bekommt jetzt Medikamente gegen die Entzündung und gegen die Schmerzen, außerdem muss er noch etwa zwei, drei Wochen im Bett bleiben; auch danach wird er sich noch schonen müssen. Ist die Entzündung, die durch Viren verursacht wurde, aber erst einmal ausgeheilt, „kann er wieder Fußball spielen“, lächelt Claudia Martin. Sprich: Der Teenager wird wieder ganz gesund.
Eine unbehandelte Herzbeutelerkrankung dagegen kann das Herz dauerhaft schwächen oder es akut zum Stillstand bringen, weil sich Flüssigkeit ansammelt. Dass Noah rasch richtig behandelt wurde, war also äußerst wichtig – nicht nur, weil die Schmerzen so schlimm waren, dass der Patient kaum noch atmen konnte. „Dieser Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass nicht nur moderne High-Tech-Geräte zur Verfügung stehen, sondern, dass die Ärzte bei der Diagnose immer offen für alle Möglichkeiten bleiben und sich nicht auf das Naheliegendste fokussieren“, sagt Prof. Dr. Gehring. Deshalb ist es ein Grundsatz auf der Kinderintensivstation, dass die jungen Patienten von Kopf bis Fuß untersucht werden: „Damit wir nichts übersehen.“
Die Sorgfalt, die Erfahrung der Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte auf der Station ist gerade dann gefragt, wenn Kinder so klein sind, dass sie über ihre Beschwerden noch nicht sprechen können. Auch solche Dinge beschäftigen Noah. „In der Nacht habe ich ein Baby lange weinen gehört und mich die ganze Zeit gefragt, was wohl los ist mit ihm“; sagt der 14-Jährige mit Sorge im Gesicht. Er weiß aber auch: „Die Leute hier tun wirklich alles für einen. Ich jedenfalls fühl’ mich sehr gut aufgehoben.“
Dr. Martin und ihr Kollege Gehring überprüfen noch einmal die Kanülen, die im Arm des Jungen stecken, dann eilen sie hinaus. Der nächste Patient wartet. Kleines Kind, Verdacht auf Hirnblutung. Völlig anderes Krankheitsbild, völlig andere Ausgangslage. „Genau diese Bandbreite“, sagt Gehring, „macht die Arbeit auf der Kinderintensivstation spannend – aber auch extrem herausfordernd.“

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